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Im Raum der Kirche auf ewig geborgen

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Tags: Kirche | protestantische

Konzeption für einen Urnenfriedhof bei der Minfelder Kirche

Seit Mai 2011 wird im Minfelder Presbyterium diskutiert, das ein- malig schöne Gelände auf der Nordseite der Kirche Richtung Friedhof als alternative Begräbnisstätte in betont christlicher Form wieder neu zu nutzen. Die Tradition des Friedhofs um unsere Kirche soll dadurch wieder belebt werden. Nach dem Besuch des kirchlichen Urnenfriedhofes in Bad Dürkheim-Seebach ist das folgende Konzept entstanden. Auf Ihre Meinung sind wir gespannt.

Kolumbarium DÜW-Seebach

Kolumbarium in Bad Dürkheim - Seebach

Schon für die frühe Christenheit ist die würdige Bestattung Verstorbener ein Werk der Barmherzigkeit. Die Bestattung ist Aufgabe der Kirchen- gemeinde. Bestattet wird auf dem Hof um die Kirche, dem Kirchhof. Gelebte Bestattungskultur bleibt durch die Jahrhunderte hindurch ein fester Bestandteil des kirchlichen Lebens. Mit der Taufe in die Kirche aufgenommen, wird man im auch Raum der Kirche verabschiedet. Seit der französischen Revolution beginnt die Bestattungskultur aus dem kirchlichen Raum auszuwandern. Friedhöfe werden säkularisiert und, wie in Minfeld, mit der Zeit außerhalb der Kirchhöfe neu angelegt. In den letzten Jahren wandelt sich die Bestattungskultur – Stichworte sind vermehrte Urnenbestattungen und Ruheforst. Die Neuerungen sind nicht problemlos: Der Ruheforst liegt außerhalb des Wohnortes – das Grab ist zwar pflegeleicht, kann aber im Alter nicht ohne fremde Hilfe und nicht täglich besucht werden. Ein Urnengrab wird auf 20 Jahre angelegt. Die Urne muss nach dieser Ruhezeit „entsorgt" werden. Ist dies so gewollt? Geschieht dies immer würdevoll?

Ein Kolumbarium (Urnenfriedhof) bei der Minfelder Kirche könnte im Wandel der Bestattungsformen eine neue, bewusst christlich-kirchliche Alternative bieten für alle Kirchenmitglieder gleich welcher Konfession. Er nimmt den Vorteil des Ruheforstes auf – keine Grabpflege – und er gleicht den Nachteil des normalen Urnengrabes aus – die Urne muss nicht nach einer bestimmten Frist entsorgt werden. Zudem finden Verstorbene die letzte Ruhe dort, wo sie mit der Taufe auch im Kreis der Gemeinde aufgenommen wurden: bei der Kirche. Der Ort in unserem Dorf, der durchtränkt ist mit einer fast 1000-jährigen Gebets– und Gottesdiensttradition. Der Ort, an dem sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Friedhof befand und der die sterblichen Reste von zig Generationen von Minfeldern birgt. Das Leitbild unseres Kolumbariums findet sich in Hebräer 13,14: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir."

Die christliche Auferstehungshoffnung richtet sich auf das ewige Leben, das Aufgehobensein der Verstorbenen in Gottes neuer Welt. Die zukünftige Stadt des Hebräerbriefes ist ein Symbol für diese neue Welt. In der Offenbarung des Johannes wird sie als „himmlisches Jerusalem" bezeichnet und in Kapitel 21 f. beschrieben. Die Bestattung auf dem neuen Kolumbarium orientiert sich an diesem Bild der zukünftigen Stadt, dem neuen Jerusalem. So wie wir als Christinnen und Christen glauben, dort für ewig bei Gott gut aufgehoben zu sein, wird auch die Asche unserer Verstorbenen auf unserem Friedhof für immer bleiben. Bestattet wird in Urnen aus Feldspat. Sie zerfallen mit der Asche und bleiben für immer in der Erde. Die Bestattung ist nicht anonym. Der Name der Verstorbenen bekommt einen Platz in einem noch zu planenden Kunstwerk. Es soll die Stadtmauer des himmlischen Jerusalem symbolisieren. Der Name bleibt dort für immer. Die Bestattung auf unserem Friedhof versinnbildlicht die christliche Hoffnung, dass ich nach dem Tod auf ewig aufgehoben bin in der zukünftigen Stadt Gottes. Gleichzeitig bleibt mein Andenken an dem Ort, an dem sich Woche für Woche die Gemeinde zu lebendigem Gottesdienst versammelt und gemeindliches Leben, Trauern und Feiern geschieht. Dies ist ein ganz starkes Bild des Trostes für die Hinterbliebenen. Für sie wird das neue Kolumbarium ein wichtiger, bewusst kirchlich geprägter Ort der Trauer sein. Unsere mittelalterliche Kirche ist „geostet". Die Gemeinde schaut Richtung Jerusalem auf den „Ort" der Auferstehung, zugleich die Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs. Auch unsere Begräbnisstätte wird geostet sein und das Bild der Auferstehungssonne aufnehmen. Staatlicherseits wird der Kirche das Recht zugestanden, auf ihrem Gelände Bestattungskultur zu leben. Dazu beten wir in jedem Gottesdienst für unsere Verstorbenen, schließen sie nach der Beerdigung - egal auf welchem Friedhof – in unsere Fürbitte ein und spenden unseren Trauernden Trost. Neben der Bestattung auf dem kommunalen Friedhof können wir so in Zukunft getauften und der Kirche angehörenden Menschen die Möglichkeit bieten, sich bewusst im Bereich einer traditionsreichen Kirche beerdigen zu lassen. Dies ist nicht als Konkurrenz zum bestehenden Friedhof zu verste- hen und wertet diesen auch nicht ab. Jeder Mensch hat das Recht, aus den angebotenen Bestattungsmöglichkeiten die für ihn passende zu wählen. Unsere völlig neue Bestattungsart ist dabei ein weiteres Angebot und berei- chert die Bestattungsmöglichkeiten in unserem Dorf. Auch die katholische Schwestergemeinde steht unserer Idee aufgeschlossen gegenüber. Auch für viele kirchlich gebundene Menschen außerhalb unseres Dorfes, gleich welcher Konfession, wird unser Kolumbarium eine willkommene Alternative sein. Darüber hinaus haben wir der Ortsgemeinde angeboten, das Kolum- barium im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Vertrages in das Angebot des kommunalen Friedhofes mit aufzunehmen. Unsere mittelalterliche Kirche umweht der „Atem der Ewigkeit". Sie bietet auf ihrer Nordseite einen einmalig schönen umfriedeten Bereich. Hier wird die Urne verbleiben und nicht nach der Liegezeit entsorgt. Hier ist ihr Platz sicher auf ewig, so es auf Erden Ewigkeit gibt.

Volker Janke

Anhang
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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. Dezember 2011 um 18:48 Uhr