Männer- und Frauenchor 1859 Minfeld
Bericht zum Vereinsausflug am 17. Mai 2008
Auch in diesem Jahr war uns Petrus wohl gesonnen: Es regnete nicht; die Sonne zeigte sich häufig.
Im gut besetzten Bus ging unsere Fahrt - nach Zwischenhalt für ein ausgiebiges Frühstück -nach Trier, der ältesten Stadt Deutschlands.
Bei einem zweistündigen Rundgang wurden uns von einer ausgezeichneten Stadtführerin nicht nur die Sehenswürdigkeiten Triers sondern auch Geschichte und Geschichten von Kaisern und Erzbischöfen und großen und kleinen Leuten nahe gebracht.
Als Residenzstadt römischer Kaiser besaß die antike Metropole Augusta Treverorum prachtvolle Gebäude, die gerne mit Italien und Rom verglichen wurden. Das milde Klima im Moseltal, die südeuropäisch anmutenden Weinberge rings um die Stadt machen diesen Vergleich noch nahe liegender.
Gewaltige römische Ruinen prägen noch heute das Stadtbild und im Mittelalter gehörten die Erzbischöfe von Trier zu den mächtigsten Fürsten Deutschlands und hinterließen ebenfalls prunkvolle Architektur.
Da standen wir vor der PORTA NIGRA, dem riesengroßen, schwarzen und ungeheuer beeindruckenden nördlichen der fünf Stadttore der Stadtmauer des späten 2. Jh. nach Christus. Die ursprünglich hellen Sandsteinquader, bis zu 6 Tonnen schwer, ohne Mörtel gesetzt und von ihrem Eigengewicht und Eisenklammern stabilisiert, wiesen bereits im Mittelalter eine so starke Verfärbung auf, dass sie dem Tor den Namen Schwarzes Tor eintrugen. Fast 800 Jahre lang war das ehemalige Tor Stifts- und Pfarrkirche.
Die Eroberung Triers durch die französischen Truppen und die Annexion der Stadt durch das napoleonische Frankreich beendeten die kirchliche Nutzung. In preußischer Zeit um 1822 wurden das Abtragen der Kirche und die Sichtbarmachung des alten Tores vollendet. Von der erneuten Torfunktion der PORTA NIGRA bis zum Fall der Zollschranken zeugen die eisernen Scharniere, die noch heute im Torbau vorhanden sind.
Von der gewaltigen römischen Stadtmauer, fast 6,5 km lang und mit Zinnen 8 Meter hoch, ist in der Nähe der PORTA NIGRA nichts mehr zu sehen.
Zwischen PORTA NIGRA und Hauptmarkt erstreckt sich die Simeonstraße, die Hauptstraße der Fußgängerzone, benannt nach dem Mönch Simeon, der als Eremit in der PORTA NIGRA lebte, dort seine letzte Ruhestätte fand und somit die PORTA NIGRA vor der Demontage rettete. Hier finden sich die schönsten Fassaden der Stadt.
Das DREIKÖNIGENHAUS, dessen mittelalterliche Fassade in seiner Farbgebung schon ein wenig orientalisch wirkt, wurde im 13. Jh. erbaut und in den 70er Jahren rekonstruiert. Die Eingangstür lag im ersten Stockwerk; wer also hinein wollte, musste über eine vermutlich hochklappbare Leiter steigen. Unbequem aber eben sicherer.
Kurz vor dem Marktplatz öffnet sich unter einer Fachwerkgruppe der Eingang in die JUDENGASSE, das Wohnghetto der jüdischen Bevölkerung bis ins frühe 15. Jahrhundert.
Mitten auf dem Hauptmarkt, dem Haupt- und auch Marktplatz Triers, steht das MARKTKREUZ als sichtbares Zeichen für das von Otto dem Großen dem Erzbischof Heinrich für die Stadt verliehene Marktrecht.
Das selbstbewusste Bürgertum erbaute sich 1459 die eigene Marktkirche ST. GANGOLF und einen Repräsentationsbau, der in Trier nach seinen kurzen Säulen STEIPE genannt wird. Über den vier Stadtheiligen Helena, Petrus, Paulus und Jakobus d. Ä. stehen zwei Streiter an der zinnenbekrönten Fassade des Hauses, das heute ein Restaurant beherbergt.
Nicht nur die Tatsache, dass die Streiter größer als die Heiligen sind und über deren Köpfen stehen, musste den Erzbischof ärgern, sondern auch die Ausrichtung und Helmtracht der beiden Soldaten war eine Herausforderung durch die Bürgerschaft.
Der PETRUS-BRUNNEN, nicht weit entfernt vom Marktkreuz, kann beinahe als erzbischöfliche Antwort auf die beiden Streiter an der Fassade der Steipe gelten:
Man erkennt die vier weltlichen Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Mäßigung, Klugheit und Stärke als Frauengestalten und als Kontrast dazu kleine Äffchen, die Laster, die Schabernack treiben.
Vom Hauptmarkt aus erreicht man durch die Sternstraße den durch einen Bogen markierten Eintritt in die mittelalterliche DOMIMMUNITÄT mit dem DOM aus salischer Zeit, der frühgotischen LIEBFRAUENKIRCHE und einigen Kuriengebäuden. Beide Kirchen besitzen einen gemeinsamen Kreuzgang.
Vor dem Domportal liegt eine der vier Säulen, welche die Decke des römischen Quadratbaus abstützten. Der so genannte DOMSTEIN, von dem man im Mittelalter erzählte, der Teufel habe ihn geworfen, besteht aus Odenwaldgranit. Angesichts des gewaltigen Gewichts muss man über die Transportlogistik der Antike staunen.
In der Heiltumskapelle ist der HEILIGE ROCK ausgestellt, der mithalf, die Stadt im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu einem bedeutenden Wallfahrtsort werden zu lassen.
Nach der Zerstörung durch die Normannen wurde die LIEBFRAUENKIRCHE im 10. Jh. durch einen Neubau ersetzt. Als die zwölf tragenden Säulen der Kirche stehen die zwölf Apostel sinnbildlich auf ihren Säulen im Kirchenraum.
Tritt man aus der Kirche heraus, so sieht man gegenüber eine Kopie des NEUMAGENER WEINSCHIFFS, das den Weintransport per Schiff darstellt und ein Grabstein war.
Weiter in Richtung Süden gelangt man zur KONSTANTIN-BASILIKA, einer beeindruckenden Halle mit einer Grundfläche von etwa 70 mal 30 m und mehr als 30 Metern Höhe; der größte säulenlose römische Saal nördlich der Alpen mit freitragender Holzkassettendecke. Mit etwas Phantasie kann man sich in den marmorgeschmückten Thronsaal, die aula palatina zurückdenken, in dem der Kaiser das Imperium repräsentierte. Die Aula verfügt über eine bemerkenswerte Akustik und die Orgelkonzerte sind für Musikfreunde ein echtes Erlebnis.
Die Rokoko-Fassade des KURFÜRSTLICHEN SCHLOSSES wird durch den PALASTGARTEN ergänzt. Sagengestalten und Götter der Antike begegnen uns im Schlossgiebel und entlang der Promenaden des Gartens, den wir in Richtung KAISERTHERMEN und RHEINISCHES LANDESMUSEUM durchqueren.
Die Thermenanlagen dienten nicht nur der Hygiene, sie waren vor allem Zentrum der Kommunikation. Die römischen Badeanlagen waren nach einem festen Prinzip gegliedert:
Nach Entkleidung und Reinigung betrat man das caldarium, den Heißbadesaal. Von dort ging man durch einen lauwarmen Raum, das tepidarium, in den Kaltbadesaal, das frigidarium. Massage, medizinische Versorgung, Sport und Spiel, Krafttraining, gemeinsames Essen und Trinken und nicht zuletzt der Gang auf die Gemeinschaftstoilette machten die Thermen zum beliebtesten Aufenthaltsort für die Bürger.
Nach solch umfangreicher Information über die bedeutsame Geschichte der Stadt stand Freizeit auf dem Programm, die jeder individuell gestaltete. Sei es, das Gesehene und Gehörte bei einem guten Essen, einem Cappuccino oder Eis zu verarbeiten oder weitere Erkundungen der vielfältigen Sehenswürdigkeiten zu unternehmen.
Gegen Abend brachen wir wieder in Richtung Heimat auf, um im neuen Landgasthof von Margit und Karl-Heinz Groß den Abschluss des Tages zu gestalten bei reichhaltigen köstlichen Speisen und Getränken.
Ein ganz herzliches Dankeschön an Richard Geiler für die hervorragende Planung und Organisation der Reise.
Danke an alle, die bei der Vorbereitung und Durchführung unseres Ausflugs so engagiert mitgewirkt haben.
Minfeld, im Mai 2008 - WH -




